Herr Koch spielt

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ÜBERFRAU 2.0

Mariya Vasilyeva, 2018

Mit ihrer Performance ÜBERFRAU 2.0 schafft Vasilyeva ein polysemes Werk, das gesellschaftliche Entwicklungen und Neukonstellationen der jüngeren Vergangenheit mit kontemporären Seinszuständen und Lebenswirklichkeiten verknüpft.

 

Zwar ist das Geschlecht der Figur zuordenbar, doch bleibt das primäre Geschlechtsmerkmal trotz scheinbarer Nacktheit des Unterleibs indifferent. Diese dialektische Negation schützt die Überfrau, macht sie unantastbar und vermittelt dennoch das Element der Verletzlichkeit, die jedem Prozess der Entblößung eigen ist.

Mit der Aussparung ihres Genitals opfert die Überfrau ihre Weiblichkeit und ihr damit einhergehendes Lustempfinden, zugunsten körperlicher Ursprünglichkeit und Intaktheit.

Sie tritt als Verkünderin in eine Menge, die die in ihr versammelten und aufgehenden Individuen in einer stetig fluider werdenden kapitalistischen Gesellschaftsstruktur voraussetzt.

Als Mittel der Verkündung wird zum einen der eigene Körper als Projektionsfläche unterschiedlicher Bedeutungsebenen genutzt, zum anderen jene virtuellen Spiegelbilder des Selbst, die die Überfrau während ihrem Gang durch die Menge mittels eines an ihrem Kopf montierten Projektors auf die umliegenden Häuserwände spielt.

Dieser Vorgang – die Spiegelung und damit die fortwährende Repetition des Ichs – lässt sich (ähnlich wie der initiale Geburtsvorgang über einem mit Öl gefüllten Becken) als Referenz auf Nietzsches Idee der ''ewigen Wiederkunft'' begreifen.

 

Vasilyeva nutzt eine Reihe performativer Akte zur Modifikation und Übertragung in einen geschlossenen, aufeinander bezogenen Liederzyklus. ÜBERFRAU 2.0 ist als Konzert konzipiert, das sich diesem Begriff in seiner tradierten Form entzieht.